Supportive Mikronährstoff-Therapie von Tumorpatienten als ein moderner Baustein der Komplementäronkologie

Die krankheitsbedingten Symptome einer Krebserkrankung und die Nebenwirkungen der Krebstherapie sind eine Herausforderung und Chance zugleich für die moderne Form der Mikronährstoff-Medizin.

Die Komplementärmedizin, zu der unter anderem auch die Mikronährstoff-Medizin gehört, ist kein Ersatz, sondern eine evidenzbasierte Begleitmaßnahme der Schulonkologie und ein integrativer Baustein im Rahmen der Tumortherapie zu verstehen. Im Verlauf einer Krebserkrankung treten häufig zeitlich und individuell variierend Beschwerden oder Symptome auf, die entweder durch die Erkrankung selber oder durch die notwendige Tumortherapie oder durch eine Kombination von beiden verursacht werden. Typische Symptome, neben vielen anderen, die sehr häufig im Verlauf einer Krebsbehandlung auftreten können, sind folgende:

  •  chronische Müdigkeit („Fatigue“)
  •  Gewichtsverlust und Mangelernährung
  •  Schlafstörungen
  •  Konzentrationsstörungen
  •  erhöhte Infektanfälligkeit

Neben den beachtlichen Fortschritten der konventionellen Medizin im Bereich der Supportivtherapie, kann insbesondere die komplementäre Onkologie mit geeigneten Verfahren sinnvoll ergänzend eingesetzt werden, da viele der neuen Medikamente auch neue Formen der Nebenwirkungen mit sich bringen:

  • Neurotoxizität (Schädigung des Nervensystems)
  • gastrointestinale Toxizität (Schädigung des Magen-Darm-Traktes)
  • dermatologische Toxizität (Schädigung des Haut- und Schleimhautgewebes)
  •  hämatologische Toxizität (negative Blutbildveränderung)

Grundsätzlich ist die Mikronährstoff Supplementierung bei Krebserkrankungen sinnvoll und notwendig. Eine individuelle Supplementierung kann in Phase I auf die Komplexität der neuartigen Tumortherapien reagieren und wirkt akut den individuellen Nebenwirkungen der modernen Arzneimittel entgegen. In Phase II werden die entstandenen Defizite nach Beendigung der Tumortherapie ausgeglichen. Darüber hinaus können über den gesamten Zeitraum krankheitsbedingte Symptome wie zum Beispiel die chronische Müdigkeit („Fatigue“) gelindert werden.

phasen_krebserkrankung

Ziele in der Phase I

  • Verminderung der Nebenwirkungen der Tumortherapie
  • Vermeidung einer Mangelernährung oder eines Mikronährstoff-Defizits
  • Ausschluss einer negativen Wechselwirkung mit der Tumortherapie

Ziele in der Phase II

  • Schnellstmöglicher Wiederaufbau und Stabilisierung des Immunsystems
  • Verminderung der ggf. noch vorhandenen Nebenwirkungen
  • Optimierung des Stoffwechsels
  • Regeneration des Körpers

Phase I: Nebenwirkungsmanagement

Die Nebenwirkungen der Krebstherapie haben in den letzten Jahren durch den Einsatz moderner Substanzen einen deutlichen Wandel erfahren, sodass beispielsweise die Knochenmarktoxizität in den Hintergrund gerückt ist. Stattdessen werden die Haut, das (periphere) Nervensystem und der Gastrointestinaltrakt mehr und mehr beansprucht. Auch die chronische therapieassoziierte Müdigkeit (“Fatigue”) steht im Fokus.

Diese Nebenwirkungsfelder sind einer komplementären Nahrungsergänzung durchaus zugänglich. Sie werden jedoch von der konventionellen Krebsmedizin kaum beachtet. Denn im Gegensatz zu einer Knochenmarktoxizität bringen diese die Patientinnen und Patienten nicht direkt in eine lebensgefährliche Situation. Aber für den Patienten sind sie äußerst störend und mindern dessen Lebensqualität.

Mit Hilfe einer Supportiv-Therapie auf Basis intelligenter Mikronährstoff-Kombinationen, die individuell auf den Patienten, seine Krebserkrankung und dessen Tumortherapie abgestimmt werden, kann ein aktives, auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittenes Nebenwirkungsmanagement betrieben werden.

Der Einsatz der Mikronährstoffe im Rahmen des Nebenwirkungsmanagements basiert auf entsprechenden Evidenzen aus repräsentativen Studien. Eine Verminderung der therapieassoziierten Nebenwirkungen kann durch die Gabe von bestimmten Mikronährstoffen erreicht werden, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Neurotoxizität (Schädigung des Nervensystems, z.B. Neuropathie)
Zytostatika wie Cisplatin und Paclitaxel können häufig eine periphere Neuropathie verursachen. Die Gabe von L-Carnitin kann die Häufigkeit dieser Reaktion verringern.

gastrointestinale Toxizität (Magen-Darm-Trakt, z.B. Entzündung der Mundschleimhaut) Häufig verursachen Chemo- und Strahlentherapien eine Entzündung der Mundschleimhaut. Mit Hilfe von Vitamin E, L-Carnitin und Zink kann dieser Zustand verbessert werden. Darüber hinaus wirkt sich ein normaler Vitamin-D-Status positiv auf die Haut- und Schleimhauttoxizität aus.

Kardiotoxizität (Schädigung des Herzgewebes)
L-Carnitin, Coenzym Q10 und Selen können die kardiotoxische Wirkung der Anthrazykline (z.B. Epirubicin, Doxorubicin) und von Trastuzumab (Herceptin R) verringern.

dermatologische Toxizität (Hautveränderungen, z.B. Hand-Fuß-Syndrom)
Das Zytostatikum Capecitabin verursacht zum Beispiel bei rund 50% der Patienten ein sogenanntes Hand-Fuß- Syndrom (schmerzhafte Rötung und Schwellung der Handinnenflächen und/oder der Fußsohlen). Mit Hilfe der Mikronährstoffe Benfotiamin, Vitamin B6, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren kann sowohl die Inzidenz als auch die Intensität verringert werden.

Fatigue (Erschöpfungszustand/chronische Müdigkeit)
Eine besondere Auswirkung von Krebserkrankungen ist die Tumorerschöpfung Fatigue, unter der viele Betroffene leiden. L-Carnitin kann die Patientin bzw. den Patienten im Kampf gegen diese scheinbar unbeeinflussbare Erschöpfung unterstützen. Ein sinnvoller Weg, nachdem viele Kranke auch nach Abschluss der Tumortherapie noch an diesem extremen Erschöpfungszustand leiden.

Mangelernährung und Gewichtsverlust
Im Rahmen einer tumorassoziierte Mangelernährung kann mit Hilfe der Omega-3 Fettsäuren ein Gewichtsverlust vermieden werden. Im Vergleich zu gesunden Menschen wird der Status der Vitamine C, D und E, einzelner B-Vitamine sowie die Konzentration der Spurenelemente Selen und Zink ausgeglichen.

Immunschwäche
Die durch den Tumor destabilisierte Immunkompetenz kann mit Hilfe von zahlreichen Mikronährstoffen stabilisiert werden. Eine besondere Rolle spielen dabei die Vitamine A, D, C, die Spurenelemente Zink und Selen sowie die sekundären Pflanzenstoffe wie Karotinoide und Flavonoide. Darüber hinaus ist der positive physiologische Einfluss auf die Immunfunktion des Darms durch Probiotika hinreichend bekannt. Neueste präklinische Studien zeigen zudem, dass Probiotika starke immunmodulatorische Eigenschaften besitzen.

Phase II: Wiederaufbau Immunsystem

Eine Tumortherapie verursacht je nach Intensität bei fast allen Betroffenen eine allgemeine Schwächung des Immunsystems. Die Strahlen- und viele der Chemotherapien beeinträchtigen die Blutbildung im Knochenmark. Denn die Behandlung greift nicht nur die Tumorzellen, sondern auch gesunde Zellen an. Dazu gehören unter anderem die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sowie die Blutplättchen (Thrombozyten).

Die Leukozyten wehren Infektionen ab, während die Erythrozyten alle Organe mit Sauerstoff versorgen. Werden diese Blutzellen zum Beispiel durch eine Tumortherapie in Mitleidenschaft gezogen, äußert sich dies in Form einer erhöhten Infektanfälligkeit und allgemeiner Immunschwäche.
Auch die vermehrte Schleimhauttoxizität durch die modernen Tumortherapien bietet den Keimen „Eintrittspforten“ für die angesprochenen Infektionen.

Vor diesem Hintergrund ist es grundsätzlich wichtig, den geschwächten Körper mit Hilfe einer supportiven Nahrungsergänzung zu unterstützen. Doch jeder Patient ist verschieden, jeder Patient hat nach einer Tumortherapie einen unterschiedlichen Bedarf an Mikronährstoffen. Zudem ist nachgewiesen, dass unterschiedliche Mikronährstoffe unterschiedliche Kompetenzen haben, das Immunsystem zu unterstützen.1

Mikronährstoffe verfügen über regulatorische Einflüsse auf die Immunreaktion und somit auch auf die Gesamtabwehr des Organismus. Im Hinblick auf die Immunkompetenz, wurde nachgewiesen, dass die evidenzbasierten Mikronährstoffe, welche von der Lebensmittelsicherheitsbehörde der Europäischen Union freigegeben wurden, von besonderer Bedeutung sind. Insofern gilt es Kontrolle zu behalten und Mangelzustände zu vermeiden. Denn eine aktive Gesundheitsplanung beweist vorausschauende Gestaltungskraft.

Ein gesundes und starkes Immunsystem ist keine kurzfristige oder einmalige Angelegenheit. Insbesondere Körper, die eine Krebserkrankung haben durch leben müssen, gilt es kontinuierlich mit Mikronährstoffen zu unterstützen. Nicht zu viel und nicht zu wenig, sondern genau richtig. Denn die Mikronährstoffe können ihren Nutzen nur dann voll entfalten, wenn sie sinnvoll kombiniert und exakt dosiert werden.

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