Mikronährstoffe in der Schwangerschaft

schwangerschaftEine gesunde Ernährung und vernünftige Lebensführung, vor und während der Schwangerschaft, ist für eine störungsfreien Schwangerschaftsverlauf, die Geburt und die spätere Entwicklung des Kindes von extremer Bedeutung. Frauen sollten bereits weit vor der Empfängnis auf eine gesunde Ernährung und adäquate Versorgung mit lebenswichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und anderen Mikronährstoffen achten. Ein schlechter Mikronährstoffstatus vor der Empfängnis wird während der Schwangerschaft verschleppt und kann nicht mehr erfolgreich kompensiert werden (z.B. Folsäure).

Bei Frauen und Männer mit Kinderwunsch kann eine Mikronährstoff Supplementierung  die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erhöhen, Schwangere oder Stillende haben besondere Bedürfnisse. Der Mikronähr-stoffbedarf steigt wesentlich bei diesen Frauen; es existiert ein „Mehrbedarf“ von ca. 30 und 50% im Vergleich zu anderen Frauen.

Das ist bedingt durch die Bedürfnisse des heranwachsenden Kindes und der Plazenta sowie durch den gesteigerten mütterlichen Stoffwechselumsatz. Die im Blut von Neugeborenen gemessenen Konzentrationen von wasserlöslichen Vitaminen liegen höher als die mütterlichen Werte. Diesen erhöhten Bedarf gilt es optimal abgestimmt auf die jeweilige Phase, sprich ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Stillzeit auszugleichen.

Schwangere haben erwiesenermaßen ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Vitamin- und Mineralstoffzufuhr, das in den hämodynamischen, endokrinen und metabolischen Veränderungen begründet ist (z. B. durch Zunahme von Körpergewicht und Blutvolumen), welche im Verlauf der Schwangerschaft auftreten.

Prinzipiell kommt es hierdurch zu einem gesteigerten Bedarf vieler Vitamine und Mineralstoffe. Kritische Stoffe sind z. B. Jod, Eisen, Vitamin D, Docosahexaensäure und insbesondere Folsäure. Eine verbreitete Schwangerschaftskomplikation ist die Präeklampsie oder Schwangerschaftshypertonie. Von ihr sind weltweit ca. 3–10 % aller Schwangeren betroffen. Einige Studien weisen darauf hin, dass ein Vitamin-D-Mangel als Ursache infrage kommt und eine Supplementierung, insbesondere zu Beginn der Schwangerschaft, präventiv wirksam sein könnte. In einer placebokontrollierten Studie in Schweden konnte jüngst nachgewiesen werden, dass eine Blutdruckerhöhung durch eine erhöhte orale Zufuhr von Magnesium verhindert werden kann.

Ein noch breiterer präventiver Effekt wurde mit einer Meta-Analyse in Entwicklungsländern für Calcium gezeigt. Eine Calcium-Supplementierung während der Schwangerschaft verringerte das Risiko für Hypertonie, Präeklampsie, Neugeborenensterblichkeit und Frühgeburten. Diese Daten konnten durch eine datenbankgestützte Studie aus England untermauert werden, da sich auch hier zeigte, dass eine Calcium-Supplementierung einen präventiven Effekt bezüglich des Risikos für Präeklampsie und der damit verbundenen Probleme sowie dem Risiko für Frühgeburten hatte. Darüber hinaus könnte eine Stärkung der Knochen durch eine kombinierte Vitamin-D- und Calciumzufuhr sinnvoll sein. Es gilt als erwiesen, dass die Knochenmineraldichte während der Schwangerschaft abnimmt und erst 19 Monate nach der Geburt wieder die gleichen Werte wie vor der Schwangerschaft erreicht hatte.

Vitamin D ist eine wichtige Komponente, um mangelbedingten Erkrankungen/ Komplikationen während und nach der Schwangerschaft bei Mutter und Kind vorzubeugen. Aber auch vor einer geplanten Schwangerschaft sollte der Vitamin-D-Spiegel nicht unbeachtet bleiben. Vitamin D ist ein wichtiger Nährstoff im Zusammenhang mit der weiblichen Reproduktion und kann bei einem

Mangel die Wahrscheinlichkeit des Zustandekommens einer Schwangerschaft verringern.

Magnesiummangel bewirkt eine neuromuskuläre Hypersensibilität, die zu Wadenkrämpfen und durch die erhöhte Erregbarkeit der Gebärmutter auch zu vorzeitigen Wehen führen kann. Eine präventiv erhöhte Magnesiumzufuhr kann zur Vermeidung dieser Komplikationen beitragen. Magnesium kann nicht nur präventiv,sondern auch in der Behandlung von Wadenkrämpfen eingesetzt werden. Sowohl Häufigkeit als auch Intensität der Krämpfe können so (signifikant) vermindert werden.

Während der Schwangerschaft transferieren Mütter die Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA), die zu einer optimalen neuronalen Entwicklung beiträgt, an den Fötus. Wird diese Fettsäure nicht in ausreichendem Maße zugeführt, wird der Speicher der Mutter kontinuierlich geleert. Eine Unterversorgung begünstigt jedoch das Auftreten postpartaler Depressionen (Kindbettdepression). In einer 23 Länder übergreifenden Studie wurde gezeigt, dass ein verminderter DHA-Gehalt in der Muttermilch sowie eine geringere Aufnahme von Fisch/Meeresfrüchten mit erhöhten Raten postpartaler Depression assoziiert war.

Aufgrund der Funktion der Folsäure im Bereich der DNA- und Aminosäuresynthese kann ein Folsäuremangel in der Schwangerschaft mit erheblichen Folgen für den Fötus verbunden sein. Die bekannteste Mangelerscheinung sind Neuralrohrdefekte. Eine perikonzeptionelle Supplementierung, d. h. vor der Empfängnis und während der Schwangerschaft, spielt daher eine wichtige Rolle in der Prävention von Neuralrohrdefekten und senkt das Gesamtrisiko um 72 %.

Mikronährstoffe in der Stillzeit

Neben der werdenden Mutter selbst ist natürlich auch der Fötus und später der Säugling – wenn er gestillt wird – von der mütterlichen Versorgung mit Mikronährstoffen abhängig. Es besteht eine enge Korrelation zwischen dem Vitamin-D-Status der Mutter und dem des Säuglings. Kurz nach der Geburt sind Mangelzustände bei Mutter und Säugling nicht selten. Insbesondere bei nicht ausreichender Sonnenlichtexposition sollte die Mutter auf eine genügende

schwangerschaft_blauVitamin-D-Zufuhr achten, gegebenenfalls durch Supplementierung. Hierfür sprechen insbesondere Studien, in denen nachgewiesen wurde, dass eine bis zu 10-fach höhere Vitamin-D-Zufuhr als derzeit empfohlen nötig war, um eine ausreichende Menge über die Muttermilch an den Säugling zu übertragen. Ein nachgewiesener Effekt der DHA-Supplementation während der Schwangerschaft/Stillzeit betrifft sowohl die Mutter als auch das Kind. Blutuntersuchungen zeigten, dass die Zusammensetzung der Immunzellen bei Stillkindern, deren Mütter DHA erhielten, sich von denen mit Müttern in der Kontrollgruppe unterschied. Die erhöhte DHA-Zufuhr der Mütter führte zu einer modifizierten zellulären Immunantwort der Kinder mit dem Ergebnis, dass diese eine geringere Neigung zu entzündlichen Reaktionen zeigten. Auch die geistige Entwicklung des Kindes scheint von einer Zufuhr langkettiger Omega-3-Fettsäuren während Schwangerschaft und Stillzeit zu profitieren. Vierjährige Kinder von Müttern der DHA-Gruppe schnitten bei einem standardisierten Intelligenztest signifikant besser ab als Kinder von Müttern, die eine Supplementierung mit Omega-6-Fettsäuren erhielten.

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